Traditionelle Chinesische Medizin

Akupunktur, chinesische Phytotherapie

Die traditionelle chinesische Medizin ist das älteste wissenschaftliche Medizinsystem. Im Gegensatz zur westlichen Medizin, die auf „harten“ Messdaten und der Krankheitslehre (Pathologie) fusst, werden in der chinesischen Medizin das Befinden, soziale, psychische und klimatische Faktoren beobachtet, qualifiziert und in einer „energetischen Diagnose“ gewertet. Körperliche Symptome sind somit als energetische Entgleisungen zu erfassen. Durch die verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten (Akupunktur, Arzneimitteltherapie, Shiatsu, Qi Gong, Diätetik) gelingt es, in die energetischen Prozesse modulierend einzugreifen. Auch für den Patienten entsteht so ein neues Verständnis, der sich mit all seinen Beschwerden wieder ernst genommen fühlt. Für eine Reihe von Indikationen ist die Erfolgsquote mit 60 - 80 % hoch.

 

Zunehmende Aufmerksamkeit gewann die traditionelle chinesische Medizin wie die anderen Naturheilverfahren durch die Suche nach Alternativen zur westlichen Medizin, die trotz zunehmendem diagnostischem und therapeutischem Aufwand (trotz allen unleugbaren Erfolgen) kein erhöhtes Mass an Gesundheit erzeugt.

 

Die chinesische Medizin ist eine wissenschaftliche Medizin. Die klinischen Erfahrungen wurden von chinesischen Ärzten über mindestens 2500 Jahre (Zeit der schriftlichen Überlieferung) genauestens gesammelt, notiert und in Sammelwerken niedergelegt. Die klinischen Aussagen von Akupunktur und chinesischer Medizin wurden in einem rationellen Bezugssystem zusammengefügt und zunächst abstrakte Begriffe wie die „Funktionskreise“ (zang fu) und „Leitbahnen“ (Meridiane, jing mo) geschaffen.

 

Menschenbild, Physiologie und diagnostische Verfahren

Die westliche Medizin verwendet Messwerte und hat ein anatomisch-physiologisches Menschenbild; die traditionelle chinesische Medizin wertet Beobachtungen, hat ein energetisches Menschenbild und sieht die Gesamtheit.

 

Die chinesischen Ärzte verstehen den Menschen als Abbild natürlicher Harmonie, aufgespannt zwischen den Polen Yin und Yang, Himmel und Erde. Im Individuum fliessen die Energie und die „Säfte“ harmonisch, es herrscht zwischen der menschlichen und natürlichen Umwelt und dem Menschen Einklang - so entsteht Wohlbefinden, welches als Gesundheit definiert ist.

 

Das energetische Potential – die Energie - welches den Menschen durchströmt, wird Qi genannt. Das Qi zirkuliert rhythmisch in den 14 Leitbahnen (Meridianen). Der Begriff Qi bezieht sich auf die aktive Energie, wird aber je nach Lebensfunktion durch Adjektive genauer bestimmt (z.B. Abwehrenergie). Wichtige andere Begriffe der chinesischen Physiologie seien kurz erwähnt: die Grundmaterie, Essenz, Struktivpotential (jing), das Xue (Blut, Säfte) und die konstellierende Kraft (shen), die die äussere Erscheinung, das Bewusstsein, die Persönlichkeit schlechthin, darstellt.

 

Die Chinesen unterscheiden fünf „Funktionskreise“ (zang fu), die nach Organen benannt sind, aber keinesfalls mit unseren westlich-medizinischen Begriffen gleichgesetzt werden dürfen:

 

„Leber“, „Milz“, „Magen“, „Lunge“ und „Herz“. So steht z.B. die „Leber“ für Muskeln, Sehnen, den Bewegungsapparat, ist verantwortlich für den „weichen Fluss des Qi“, speichert das Xue (Blut, Säfte) und ist im Emotionalen für Entscheidungen zuständig. Damit können beispielsweise Krankheiten wie Rückenschmerzen, stressbedingte Kopfschmerzen und Migräne als Disharmonie im Fluss des „Leber-Qi“ erklärt werden.

 

Durch innere, äussere und neutrale Faktoren („Agentien“) können Krankheiten entstehen. Äussere Faktoren sind: Kälte, Wind, Trockenheit, Feuchtigkeit, Hitze, Glut. Innere oder emotionale Faktoren sind z.B. Sorge, Trauer. Auch Stress, Überarbeitung, Diätfehler und sexuelle Ausschweifungen gelten als Krankheitsursachen.

 

Im Beispiel bleibend ist der „Leber“-Funktionskreis besonders für „Wind“ anfällig, was sich in Symptomen wie roten Augen, Verspannungen und Neuralgien zeigt. Durch eine emotionale Blockade kann die Funktion der „weichen Leber-Qi-Verteilung“ gestört sein, wodurch es zu Bauchschmerzen, Menstruationsbeschwerden oder ähnlichem kommen kann.

 

In der differenzierten Befragung des Patienten interessiert sich der Arzt für die Beschwerden, weiter fragt er nach allen aktiven Lebensäusserungen, Gefühlen, wichtigen Körperfunktionen und Disharmonien, welche auf eine mögliche krankhafte Entgleisung hindeuten. Gewertet werden auch alle Wahrnehmungen durch Geruchs- und Tastsinn sowie die optische Wahrnehmung. Konkret bedeutet dies, dass z.B. Husten, laute oder leise Stimme, Körpergeruch und Gesichtsfarbe in die Diagnose mit eingehen.

 

Besonders hervorzuheben ist die Zungendiagnostik, da sich in der Zunge mehrere „Funktionskreise“ abbilden. Durch Wertung der Farbe, Form und Grösse der Zunge und des Zungenbelags werden Rückschlüsse auf energetische Zustände und insbesondere den „Säftehaushalt“ gezogen.

 

Herausragend ist die Pulsdiagnostik: bis zu 32 verschiedene Pulsqualitäten können unterschieden werden. Allerdings erfordert dieses Verfahren ausreichende Übung, um die Pulsbilder richtig einzuordnen und zu werten.

 

Nach einem bestimmten diagnostischen Prozedere („Acht Leitkriterien“) werden alle Daten gesammelt, qualifiziert, Funktionskreisen zugeordnet und eine chinesisch-medizinische Diagnose gestellt.

 

Akupunktur

Die Akupunktur, welche seit dem 17. Jahrhundert in Europa bekannt ist, wird seit ca. 100 Jahren immer intensiver genutzt und ist spätestens seit den etwas quälerischen Demonstrations-Operationen unter „Akupunktur-Narkose“ zu Zeiten der Kulturrevolution in aller Munde.Nach den Erfahrungen der chinesischen Altärzte fliesst das Qi in den 14 Leitbahnen (Meridianen) von der Brust zu den Fingerspitzen, von diesen zum Kopf und weiter an der Rückenseite zu den unteren Extremitäten.

 

Höhlungen, Vertiefungen und Eingänge erlauben einen Zugang zu diesem Energiefluss-System; Orte, welche wir vereinfachend „Akupunkturpunkte“ nennen. Sie ermöglichen eine Beeinflussung des Qi-Flusses und eine Ausleitung krankhafter Energien mittels Nadeln und/oder Moxibustion (Erwärmung).

 

Grundlage für eine erfolgreiche Akupunkturtherapie ist eine vorher erfolgte exakte chinesische Diagnose.

 

Arzneimitteltherapie (chinesische Phytotherapie)

Weniger bekannt, aber mindestens ebenso bedeutend ist die Therapie mit chinesischen Arzneimitteln, denn viele Krankheiten werden damit begleitend behandelt. Etwa 12’000 verschiedene Einzelmittel pflanzlichen, mineralischen oder tierischen Ursprungs sind in den chinesischen Arzneimittelbüchern bekannt. Üblicherweise werden im Westen zwischen 200 und 600 verschiedene Mittel benutzt. Die Einzelmittel sind nach „Geschmack“, „Temperatur“, „Wirkrichtung“ und „Funktionskreisbezug“ geordnet. Meist werden zwischen zwei und zehn Arzneimittel zu einer Rezeptur gemischt, um die Wirkung zu optimieren und Nebenwirkungen zu vermeiden. Am effektivsten ist die Verabreichung als Abkochung der Kräuter (Decoct) oder als Extrakt daraus (Tropfen). Durch die extrem lange Erfahrung mit den meisten Arzneimitteln besteht eine hohe Arzneimittelsicherheit.

 

Als Arzneimittelbeispiel sei die Ingwerwurzel erwähnt. Sie ist als „warm“, „scharf“ und auf „Lunge“ sowie „Magen“ wirkend qualifiziert. So kann sie im Fall einer „Kälte“-Schädigung wärmen und öffnen und die Erkältungssymptomatik bekämpfen.

 

Qi Gong, Diätetik

Durch eine genaue Beschreibung sämtlicher Nahrungsmittel, die analog den Arzneimitteln qualifiziert sind, lässt sich im Krankheitsfall nach der chinesischen Diagnose ein individueller Diätplan festlegen. Diese Therapie ist besonders interessierten und auch engagierten Patienten vorbehalten, denn das Kochen nach den „5 Elementen“ ist aufwändig und für uns ungewohnt.

 

Durch die bewegungstherapeutischen Übungen des Qi Gong („Arbeiten oder Üben am Qi“) kann gezielt Einfluss genommen werden; dadurch wird einerseits Gesundheitsvorsorge betrieben, andererseits können Blockaden therapeutisch gelöst werden.

 

Shiatsu

Bei uns setzen wir Shiatsu mit den gleichen Zielsetzungen wie die Akupunktur ein. Shiatsu kann praktisch gleichwertig wie die Akupunktur eingesetzt werden, z.B. bei Patienten mit einer Angst vor den Nadeln, bei Kindern, bei psychischen Stresssituationen.

 

Einige Anwendungsbeispiele

  • Allergien: Heuschnupfen, Nesselfieber, Lebensmittelallergien

  • Atemwegserkrankungen: Nasennebenhöhlenbeschwerden, Schnupfen, Asthma bronchiale, Bronchitis, akuter und chronischer Husten, Erkältungen

  • Bewegungsapparat: Rückenschmerzen, Hals-Arm-Syndrome, Tennisellbogen, Gelenkschmerzen (Schulter, Knie, usw.), Rheuma

  • Blasenerkrankungen: Entzündungen, Reizblase

  • Gynäkologische Erkrankungen: Menstruationsunregelmässigkeiten, Ausbleiben der Regel, Mensschmerzen, Ausfluss (z.B. wegen Candida), prämenstruelles Syndrom, Schwangerschaftserbrechen, klimakterische Beschwerden

  • Hauterkrankungen: Akne, Ekzeme, Neurodermitis, Nesselfieber (Urticaria), Herpes zoster

  • Herz, Kreislauf: Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, Angina pectoris, Durchblutungsstörungen der Arme und Beine

  • Magen-, Darmerkrankungen: Magenentzündung, Magengeschwür, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (z.B. M. Crohn, Colitis ulcerosa), Verstopfung, Darmpilz (Candida), Blähungen, Reizdarm (Colon irritabile)

  • Neurologische Probleme: Kopfschmerzen, Migräne, Trigeminusneuralgie, Facialisparese, Lähmungen nach Schlaganfall, Morbus Menière, Bettnässen, Multiple Sklerose

  • Schlafstörungen, Nervosität

  • Sinnesorgane: Bindehautentzündungen der Augen, Tinnitus, Glaukom (grüner Star)

  • Stoffwechselstörungen: Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen (Cholesterin), Gicht


Empfehlenswertes Taschenbuch: Carl-Hermann Hempen, Die Medizin der Chinesen, Goldmann-Verlag, CHF 14.-

 

Kontakt

Dr. med. Robert Heiz
Oberlandstr. 98
8610 Uster

 

Tel:  044  940 66 10
Fax: 044  940 99 10

 

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